Die Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr ist aus christlich ethischer Sicht unhaltbar!

Thomas Wallimann-Sasaki, Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz.

Justitia et Pax ist die sozialethische Kommission der Schweizer Bischofskonferenz und engagiert
sich für Gerechtigkeit und Frieden hier und in der Welt.
Auch wenn Krieg und Waffengeschäfte zu dieser Welt gehören, so kann es sich gerade die
Schweiz leisten darauf hinzuweisen, dass ein gutes und gelungenes Leben für Menschen anders
aussieht als ein „Mehr an Kriegsmaterial“. Wir wissen, dass weder totalitäre Staatsverhältnisse
noch religiös gefärbter Fanatismus oder Krieg ein gutes Leben für wirklich alle schaffen können.

Lieferungen von Kriegsmaterial in Länder mit internen Konflikten verschärfen diese
gesellschaftlichen Konflikte.
Das Christentum und insbesondere die Katholische Kirche haben gegenüber Waffen wie auch
Krieg eine bewegte Geschichte. Heute sind wir überzeugter denn je, dass im Zentrum jeder Politik
die ganzheitliche Entwicklung des Menschen stehen muss. Dies gilt auch für die Politik der Ausfuhr
von Kriegs- und Sicherheitstechnik-Material.
Darum ist der letzte Orientierungspunkt für eine ethische Beurteilung des Exports von Kriegsmaterial
nicht der wirtschaftliche Nutzen und damit auch nicht die Sicherung von Arbeitsplätzen.
Vielmehr ist das Wohlergehen wirklich aller Menschen das zentrale ethische Kriterium.
Von einer Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr profitieren nur wenige, viele aber leiden übermässig und mehr.
Dies widerspricht unserem christlichen Verständnis von Gemeinwohl.

Frieden und glückliche Entwicklungen haben mit Gerechtigkeit zu tun. Diese spielt eine wichtige
Rolle bei der Verteilung von Ressourcen innerhalb und zwischen den Ländern. Wenn arme Länder
und solche mit inneren Konflikten Geld für die militärische Rüstung brauchen,
kommen in der Regel Bildung und die Versorgung mit Nahrungsmittel zu kurz.

Darunter leiden die Armen in besonderem Masse. Eine Ausweitung von Kriegsmaterialausfuhr fördert
diese Benachteiligungen und wi-derspricht der Nächstenliebe. Das Recht des Stärkeren ist keine Grundlage weder für Friede noch
für Gerechtigkeit. Ein Wort zum Argument, dass der Schweizer Anteil am weltweiten Markt klein ist und sonst einfach
„andere“ das Material liefern. Dieses Argument ist ethisch nicht stichhaltig. Denn unethisches Handeln
wird nicht einfach „richtiger“ oder gerechtfertigt, wenn darauf verwiesen wird, dass „andere“ das gleiche ähnlich oder noch verstärkt tun.
Schon 1481 – beim Stanser Vorkommnis – haben die Eidgenossen gemerkt, dass man gemeinsam
ein besseres Leben hat, wenn man sich keine Köpfe einschlägt, sondern aufeinander hört und
miteinander spricht!

Thomas Wallimann-Sasaki, Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz

Rohrmatte 6

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Dienstag, 6. Januar 2026

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