{"id":574,"date":"2014-07-17T23:13:19","date_gmt":"2014-07-17T21:13:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juspax.ch\/de\/?p=574"},"modified":"2020-12-16T12:04:58","modified_gmt":"2020-12-16T11:04:58","slug":"appell-fuer-einen-mutigen-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juspax.ch\/fr\/appell-fuer-einen-mutigen-wandel\/","title":{"rendered":"Appell f\u00fcr einen mutigen Wandel"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1588766830204_244\"><strong>Justitia et Pax zur Lage in Israel und Pal\u00e4stina<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<p><strong>Die Kommission Justitia et Pax der katholischen Kirche im Heiligen Land ruft eindringlich zu einem radikalen Wandel in Israel und Pal\u00e4stina auf. Justitia et Pax in der Schweiz unterst\u00fctzt diesen \u00ab\u00a0Appell f\u00fcr einen mutigen Wandel\u00a0\u00bb.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><i>\u00ab\u00a0<\/i><i>Man h\u00f6rt Klagen und bitteres Weinen; Rahel beweint ihre Kinder und will sich nicht tr\u00f6sten lassen &#8211; <\/i><br><i>&nbsp;um ihrer Kinder, denn sie sind nicht mehr\u00a0\u00bb <\/i><i>(Jeremia 31,15).<\/i><i><sub>&nbsp;<\/sub><\/i><\/p>\n<p><b>Eine Realit\u00e4t der Gewalt und des Trauerns <\/b><\/p>\n<p>Israel und Pal\u00e4stina versinken in Trauer. Trauer der M\u00fctter und V\u00e4ter, Br\u00fcder und Schwestern, Geliebte der jungen Menschen, die zum Opfer der j\u00fcngsten Gewaltausbr\u00fcche in diesem Land wurden. Einige von ihnen&nbsp; kennen wir,&nbsp; da sie durch detaillierte Medienberichte \u00fcber ihr Leben, durch Interviews mit den Eltern, in unserer Vorstellung&nbsp; lebendig werden, wobei viele andere nur namen- und gesichtslose statistische Zahlen bleiben. &nbsp;Selektive Berichterstattung, Trauer und Andenken sind selbst Teil der Gewaltspirale.<\/p>\n<p>Wir sprechen unser aufrichtiges Beileid aus f\u00fcr alle Israelis und Pal\u00e4stinenser, die trauern. Wir m\u00fcssen weiterhin darum beten, dass jene, die k\u00fcrzlich sterben mussten, die letzten sein werden, die auf grausame Weise in dieser hasserf\u00fcllten und rachs\u00fcchtigen Eskalation ihr Leben verloren.<\/p>\n<p><b>Eine Sprache, die Gewalt beg\u00fcnstigt.<\/b><\/p>\n<p><i>&nbsp;\u00ab\u00a0So ist auch die Zunge nur ein kleines Glied, aber sie r\u00fchmt sich gro\u00dfer Dinge. Sieh, wie klein ist das &nbsp;Feuer und wie gross der Wald, den es in Brand steckt! Auch die Zunge ist ein Feuer. Als die Welt der Ungerechtigkeit steht die Zunge unter unseren Gliedern da als jenes, das den ganzen Leib befleckt und das Rad des Lebens in Brand setzt und selber von der H\u00f6lle in Brand gesetzt ist. (&#8230;) Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind.\u00a0\u00bb (Jakobus 3,5-6, 9)<\/i><\/p>\n<p>Unsere Hoffnung, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, ist zerbrochen durch die unverantwortlichen Rede von kollektiver Bestrafung und Rache, die Gewalt hervorruft und das Wachsen jeder Alternative erstickt. Viele in Machtpositionen und in politischer Verantwortung bleiben unbelehrbar und sind &nbsp;nicht bereit, den Weg des Dialogs zu beschreiten, sondern gie\u00dfen mit Worten und Taten \u00d6l ins Feuer, was den Konflikt weiter sch\u00fcrt.<\/p>\n<p>Die gewaltvolle, nach Vergeltung rufende Sprache auf Israels Stra\u00dfen wird durch die Haltung und \u00c4u\u00dferungen einer politischen F\u00fchrung angeheizt, die einen diskriminierenden Diskurs sch\u00fcrt, welcher die exklusiven Rechte nur f\u00fcr eine Gruppe und f\u00fcr die Besatzung f\u00f6rdert, mit all ihren verheerenden Folgen. Siedlungen werden errichtet, Land beschlagnahmt, Familien getrennt, Angeh\u00f6rige verhaftet und sogar ermordet. Die Besatzungsmacht scheint zu glauben, dass ihre Besatzung Erfolg erzielen wird, wenn sie den Willen der Menschen nach Freiheit und W\u00fcrde unterdr\u00fcckt. Sie scheinen zu glauben, dass ihre Entschlossenheit die Opposition zum Schweigen bringen und das Falsche ins Richtige verwandeln wird.<\/p>\n<p>Die gewaltvolle, nach Vergeltung rufende Sprache auf den Stra\u00dfen in den pal\u00e4stinensischen Gebieten wird durch die Haltung und \u00c4u\u00dferungen derjenigen angeheizt, die an der Hoffnung auf eine gerechte L\u00f6sung des Konflikts auf dem Verhandlungsweg verzweifelt sind. Diejenigen, die nach dem Aufbau einer totalit\u00e4ren und monolithischen Gesellschaft streben, in der es keinen Platz f\u00fcr Unterschiede und Vielfalt gibt, erhalten breite Unterst\u00fctzung und nutzen die hoffnungslose Situation aus. Zu denen sagen wir auch: Gewalt als eine Antwort auf Gewalt f\u00f6rdert nur mehr Gewalt.<\/p>\n<p><b>Durchbrechen der Gewaltspirale<\/b><\/p>\n<p>Papst Franziskus, der am 8. Juni 2014 im Vatikan f\u00fcr Frieden in Israel und Pal\u00e4stina&nbsp; betete, sagte: &nbsp;\u201eUm Frieden zu schaffen, braucht es viel mehr Mut, als um Krieg zu f\u00fchren. Es braucht Mut, um Ja zu sagen zur Begegnung und Nein zum Konflikt; Ja zum Dialog und Nein zur Gewalt; Ja zur Verhandlung und Nein zu Feindseligkeiten; Ja zum Einhalten der Vereinbarungen und Nein zu Provokationen; Ja zur Aufrichtigkeit und Nein zur Doppelz\u00fcngigkeit. F\u00fcr all das braucht es Mut, es braucht Kraft und Entschlossenheit.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen begreifen, dass die Entf\u00fchrung und kaltbl\u00fctige Ermordung der drei israelischen Jugendlichen und&nbsp; der brutale Rachemord &nbsp;an dem pal\u00e4stinensischen Jungen das Resultat von Ungerechtigkeit und Hass sind, die die Besatzung in jenen sch\u00fcrt, die in ihren Herzen anf\u00e4llig daf\u00fcr sind.&nbsp; Der Tod dieser Menschen ist in keinem Fall gerechtfertigt und wir trauern mit denjenigen, die den Verlust dieser jungen Menschen beweinen. Die Instrumentalisierung des Todes der drei Israelis, um eine kollektive Bestrafung der Pal\u00e4stinenser durchzuf\u00fchren und Ihr legitimes Recht auf Freiheit abzusprechen, ist eine tragische Ausnutzung einer Trag\u00f6die, die neue Gewalt und Hass hervorruft.&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen wir anerkennen, dass Widerstand gegen Besatzung nicht mit Terrorismus gleichgesetzt werden darf. Widerstand gegen Besatzung ist ein legitimes Recht, Terrorismus ist ein Teil des Problems. Nochmals sagen wir allen: Gewalt als eine Antwort auf Gewalt f\u00f6rdert nur mehr Gewalt.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Situation in Gaza ist ein Ausdruck der Endlosspirale der Gewalt ohne jegliche alternative Zukunftsperspektive. Das Durchbrechen dieser Gewaltspirale liegt in der Verantwortung von allen, Unterdr\u00fcckern und Unterdr\u00fcckten, Opfern und T\u00e4tern. Damit sie dieses Ziel anstreben, m\u00fcssen<\/p>\n<p>sich Menschen als Geschwister sehen und nicht als Gegner.&nbsp;<\/p>\n<p><b>Notwendigkeit eines radikalen Wandels<\/b><\/p>\n<p>Wir ben\u00f6tigen einen radikalen Wandel. Israelis und Pal\u00e4stinenser m\u00fcssen gemeinsam die negativen Einstellungen des gegenseitigen Misstrauens und Hasses ablegen. Wir sind aufgefordert, unsere junge Generation in einem neuen Geist zu erziehen, einem Geist, der die existierenden Unterdr\u00fcckungs- und Diskriminierungsmentalit\u00e4ten aufbricht. Wir m\u00fcssen jede politische F\u00fchrung abschaffen, die von der Gewaltspirale lebt. Wir m\u00fcssen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten finden und unterst\u00fctzen, die entschlossen sind, sich f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen und die sich bewusst sind, dass hier drei Religionen leben, Judentum, Christentum und Islam , und zwei&nbsp; V\u00f6lker: Pal\u00e4stinenser und Israelis.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten finden, die angesichts der Dringlichkeit der gegenw\u00e4rtigen Lage &nbsp;weitsichtig und mutig genug sind, die schwierigen Entscheidungen zu treffen; F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, die, wenn n\u00f6tig, bereit sind, ihre eigene politische Karriere f\u00fcr einen gerechten und dauerhaften Frieden zu opfern. &nbsp;Solche F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten sind berufen, Heiler und Stifter von Frieden und Gerechtigkeit zu sein sowie Vision\u00e4re f\u00fcr Alternativen zur Gewaltspirale.<\/p>\n<p>Wir erinnern uns an den j\u00fcngsten Besuch von Papst Franziskus in unserer Region und damit an seinen best\u00e4ndigen Aufruf zu Gerechtigkeit und Frieden. In seinem Treffen mit der pal\u00e4stinensischen F\u00fchrung erkl\u00e4rte er: \u00ab\u00a0Indem ich denen meine N\u00e4he bekunde, die am meisten unter den Folgen des Konflikts leiden, m\u00f6chte ich aus tiefstem Herzen sagen, dass es Zeit ist, dieser Situation, die immer unertr\u00e4glicher wird, ein Ende zu breiten. Zum Wohle aller m\u00fcssen sich die Anstrengungen und die Initiativen zur Schaffung der Grundlagen f\u00fcr einen stabilen Frieden verdoppeln, einen Frieden, der auf Gerechtigkeit, auf die Anerkennung der Rechte eines jeden und auf gegenseitiger Sicherheit gegr\u00fcndet ist. Es ist f\u00fcr alle die Zeit gekommen, den Mut zur Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und zur Kreativit\u00e4t im Dienst des Gemeinwohls aufzubringen.\u00a0\u00bb (25. Mai, 2014). Weiter sagte er beim Treffen mit der israelischen F\u00fchrung: \u00ab\u00a0In diesem Zusammenhang bringe ich erneut den Wunsch zum Ausdruck, dass alle beteiligten Parteien &nbsp;Initiativen und Taten vermeiden, die dem erkl\u00e4rten Willen, eine wirkliche Einigung zu erzielen, zuwiderlaufen, und dass man unerm\u00fcdlich mit Entschlossenheit und Treue den Frieden sucht. Ebenso muss alles entschieden abgelehnt werden, was dem Streben nach Frieden und eines respektvollen Zusammenlebens von Juden, Christen und Muslimen entgegensteht.\u00a0\u00bb (26. Mai, 2014)<\/p>\n<p><b>Rolle der religi\u00f6sen F\u00fchrer<\/b><\/p>\n<p>Unsere Rolle als religi\u00f6se Verantwortungstr\u00e4ger besteht darin, in einer prophetischen Sprache eine Alternative jenseits der Spirale des Hasses und der Gewalt aufzuzeigen. Diese Sprache weigert sich, Kinder Gottes als Feinde zu benennen. Diese Sprache erm\u00f6glicht, dass sich die Menschen als Br\u00fcder und Schwestern verstehen. Beim Friedensgebet forderte Papst Franziskus auf: \u00ab\u00a0Wir haben einen Ruf vernommen, und wir m\u00fcssen antworten \u2013 den Ruf, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen, sie zu durchbrechen mit einem einzigen Wort: \u201aBruder\u2018. Doch um dieses Wort auszusprechen, m\u00fcssen wir alle den Blick zum Himmel erheben und uns als S\u00f6hne eines einzigen Vaters erkennen.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>Religi\u00f6se Verantwortungstr\u00e4ger sollen eine Sprache der Verantwortung sprechen, so dass sie ein Werkzeug daf\u00fcr wird, die Welt von einer dunklen W\u00fcste des Todes in einen bl\u00fchenden Garten des Lebens zu verwandeln.<\/p>\n<p><i>\u00ab\u00a0Selig sind, die da hungern und d\u00fcrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.&nbsp;<\/i><i>&nbsp;<\/i><br><i>&nbsp;Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. <\/i><br><i>Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/i><br><i>Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen.\u00a0\u00bb<\/i><br><i>(Matth\u00e4us 5,6-9).<\/i><\/p>\n<p><i>Jerusalem, 8 Juli 2014<\/i><i> <\/i><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommission Justitia et Pax der katholischen Kirche im Heiligen Land ruft eindringlich zu einem radikalen Wandel in Israel und Pal\u00e4stina auf. 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