{"id":328,"date":"2004-11-18T20:46:49","date_gmt":"2004-11-18T19:46:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juspax.ch\/de\/?p=328"},"modified":"2020-06-12T14:41:33","modified_gmt":"2020-06-12T12:41:33","slug":"fuer-die-sonntagsruhe-als-unterbrechung-des-uebermaechtigen-kreislaufs-von-arbeit-und-kommerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juspax.ch\/fr\/fuer-die-sonntagsruhe-als-unterbrechung-des-uebermaechtigen-kreislaufs-von-arbeit-und-kommerz\/","title":{"rendered":"F\u00fcr die Sonntagsruhe als Unterbrechung des \u00fcberm\u00e4chtigen Kreislaufs von Arbeit und Kommerz"},"content":{"rendered":"<p>Arbeit, Leistung und Konsum sind nicht das Mass aller Dinge. Der Sonntag als allgemeiner Ruhetag, als bewusster Unterbruch des w\u00f6chentlichen Arbeitsrhythmus hat sich bew\u00e4hrt. Deshalb wendet sich Justitia et Pax gegen eine schrittweise Abschaffung des Verbots der Sonntagsarbeit. Auch die beiden grossen Landeskirchen, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK) und die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) teilen die Sorge um die Aush\u00f6hlung des Sonntags als Ruhe- und Feiertag.<\/p>\n<p>Keine Gesellschaft lebt nur von den Fr\u00fcchten von Arbeit und Kommerz. Auch der moderne Staat lebt von Quellen, die er selbst nicht zur Verf\u00fcgung stellen kann. So sind der soziale Zusammenhalt und gesellschaftliche Wertfundamente nicht Ergebnis staatlicher Vorschriften sondern vielf\u00e4ltiger sozialer Bez\u00fcge und Erfahrungen. Daf\u00fcr braucht es Raum und Unterst\u00fctzung. Das Verbot der Sonntagsarbeit st\u00fctzt Familien in ihrer Erziehungsarbeit, erm\u00f6glicht sinnvolle Arbeit f\u00fcr Vereine und andere Gruppierungen und bietet den gesellschaftlichen Rahmen f\u00fcr die Kirchen, an einem Tag in der Woche mit allen gemeinsam Gottesdienst zu feiern und religi\u00f6ses Engagement in den Mittelpunkt zu stellen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind gewisse Arbeiten am Sonntag notwendig, sie sollen aber die Ausnahme bleiben. Es geht auch nicht darum, das \u201eRad zur\u00fcck zu drehen\u201c, sondern eine kulturelle Errungenschaft zu retten, die sich sowohl menschlich als auch wirtschaftlich als sinnvoll erwiesen hat. Nahezu alle Kulturen kennen einen solchen Tag des Unterbruchs. Offensichtlich haben die Menschen darin ein menschliches Mass gefunden, damit nicht Arbeit, Leistung und Kommerz zum Mass aller Dinge werden. Die Christen haben mit dem Sonntag den Sabbat der Juden \u00fcbernommen. Der Sabbat erinnert an das Ruhen Gottes am siebten Tag der Sch\u00f6pfungswoche. Vermutlich steckt bereits hinter dem g\u00f6ttlichen Gebot der Sabbat-Ruhe die Erfahrung, dass der Mensch nicht ununterbrochen arbeiten kann und einen gemeinsamen Tag der Ruhe und Erholung braucht.<\/p>\n<p>Auf unsere heutige Zeit \u00fcbertragen heisst dies, dass die Unterordnung aller Lebensbereiche unter die Erfordernisse der Wirtschaft dem Menschen letztlich nicht dienlich sein kann. Der gemeinsame Sonntag gibt Kraft f\u00fcr neue Aufgaben und stellt den Beginn einer neuen Arbeitswoche dar. Selbst \u00f6konomisch gedacht ist der Sonntag somit wichtig f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Leistungsf\u00e4higkeit. Es macht eben doch einen Unterschied, ob alle am Montagmorgen erholt zur Arbeit erscheinen oder ob alle ihren individuellen \u201eSonntag\u201c an unterschiedlichen Tagen pflegen. Die zahlreichen Hinweise auf eine zunehmende \u00dcberforderung des Einzelnen im Arbeitsleben deuten auch darauf hin, dass ein allgemeiner Ruhetag wichtig ist und vielleicht immer wichtiger wird.<\/p>\n<p>Und schliesslich geht es um die Frage, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft zusammen leben wollen. Die zunehmende \u00d6konomisierung unserer Lebenswelt f\u00fchrt n\u00e4mlich auch in eine zunehmende Atomisierung unserer Gesellschaft. Jede und jeder Einzelne lebt ihren\/seinen eigenen \u201eWochenrhythmus\u201c. Wenn die freien Tage unterschiedlich \u00fcber die Woche verteilt sind, wird die gemeinsame Zeit mit anderen zur Mangelware. Es wird zusehends schwieriger, selbst am Sonntag mit anderen etwas gemeinsam zu planen. Das Gemeinschaftliche, die Zeit in der Familie, mit dem Freundeskreis und auch im Verein muss immer mehr geplant werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich spontane Gelegenheiten ergeben f\u00fcr eine gemeinsame Unternehmung, nimmt immer mehr ab. Dadurch zerfallen, angefangen bei der Familie, zunehmend mehr gesellschaftliche Strukturen, zum Nachteil aller und der Gesellschaft. Es braucht nicht viel Phantasie um zu erkennen, dass noch mehr Menschen unter dieser Vereinsamung leiden werden.<\/p>\n<p>Aus diesen genannten Gr\u00fcnden unterst\u00fctzen die Kirchen die Zielsetzung des Referendums der Gewerkschaften gegen eine schrittweise Aufhebung des Verbots der Sonntagsarbeit!<\/p>\n\n\n<p>Dr. Wolfgang B\u00fcrgstein<br>Secr\u00e9taire g\u00e9n\u00e9ral<br>rue des Alpes 6<br>1700 Fribourg<\/p>\n\n\n\n<p>+41 78 824 44 18<br><a href=\"mailto:Wolfgang.buergstein@juspax.ch\">wolfgang.buergstein@juspax.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeit, Leistung und Konsum sind nicht das Mass aller Dinge. Der Sonntag als allgemeiner Ruhetag, als bewusster Unterbruch des w\u00f6chentlichen Arbeitsrhythmus hat sich bew\u00e4hrt. 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