14.06.2012

Gründung der schweizerischen Sonntagsallianz


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Sonntag schützen, Gemeinschaft stärken

Communiqué de presse | 14.06.2012

Sonntag schützen, Gemeinschaft stärken

Gründung der schweizerischen Sonntagsallianz

Die neu gegründete „Sonntagsallianz“ kritisierte an der Medienkonferenz vom 12. Juni 2012 die schleichende Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags. Dies betrifft insbesondere den Detailhandel, aber auch andere Bereiche wie etwa die Post. Der Sonntag, da sind sich die Mitgliedsorganisationen einig, darf nicht den Wirtschaftsinteressen geopfert werden. Er muss als Tag der Erholung und des sozialen Beisammenseins geschützt bleiben. Die breit abgestützte Sonntagsallianz setzt sich aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Arbeitsmedizinern zusammen. Die Allianz wird sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Sonntags- und Feiertagsruhe gesetzlich geschützt bleibt und lehnt flächendeckenden Sonntagsarbeit in Tankstellenshops, wie sie demnächst im Ständerat diskutiert wird, ab.

Immer mehr Beschäftigte müssen ihren Unternehmen rund um die Uhr, sieben Tage die
Woche zur Verfügung stehen. „Eine Vorreiterrolle spielen momentan die Arbeitgeber im
Detailhandel“, kritisiert Vania Alleva, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft Unia und
SGB-Vizepräsidentin, an der heutigen Medienkonferenz. „Permanent versuchen die
Grossverteiler die Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Das geht auf Kosten des Personals.“
Klaus Stadtmüller, Präsident der schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin,
zählt die gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Beschäftigten auf: „Ein- und
Durchschlafprobleme, Störungen von Appetit und Verdauung, Stress, psychische
Auffälligkeiten. Manche Untersuchungen gehen sogar von einer Häufung von gewissen
Krebsarten aus.“
Klartext redet auch Kurt Regotz, Präsident der Gewerkschaft Syna: „Sonntagsarbeit
schafft keine neuen Arbeitsplätze, verschlechtert aber die bestehenden.“
Von solchen Verschlechterungen betroffen sind gerade im Detailhandel meist Frauen. Erika
Hofstetter, Verbandsvorstand des schweizerischen katholischen Frauenbundes; „Die
Frauen zahlen bei einer Erweiterung der Ladenöffnungszeiten einmal mehr den Preis. Eine
echte Wahl haben sie nicht, denn oft ist für sie die Arbeit am Sonntag der einzige Ausweg aus
einer ohnehin prekären finanziellen Situation“
Die Folgen von Sonntagsarbeit auf die Gesundheit der Beschäftigten, den sozialen
Zusammenhalt der Gesellschaft und den Arbeitsplatz Schweiz sind also höchst
problematisch. Philippe Woodtli, Geschäftsleiter des evangelischen Kirchenbundes der
Schweiz: „Der Sonntag ist der Tag der Gemeinschaft. Gemeinschaft gelingt aber nur, wenn
die freie Zeit auch wirklich gemeinsam und gleichzeitig ist.“
Die Sonntagsallianz vereint Kirchen, Gewerkschaften, Frauenorganisationen und die
Fachorganisation der Arbeitsmediziner. Dies zeige, so Wolfgang Bürgstein von Justitia et
Pax/Bischofskonferenz, „dass es einen inneren Zusammenhang zwischen den
verschiedenen Beteiligten gibt, nämlich die Sorge um das Wohl der Menschen. Dieser
Zusammenschluss ist also mehr als ein reines Zweckbündnis zur Durchsetzung
unterschiedlicher Interessen.“
Nicht nur im Detailhandel findet eine bedrohliche Entwicklung statt. Von der Flexibilisierung
der Arbeitszeiten sind auch Bereiche wie Post, Telekommunikation und Buchhandel
betroffen, wie Mohamed Hamdaoui, Leiter Kommunikation der Gewerkschaft Syndicom,
erklärt: „Bei der Post ist es nicht selten, dass die Angestellten ein 50-%-Pensum auf 5 oder
sogar 6 Tage verteilen müssen.“
Zum Schutz des betroffenen Personals und um die gesellschaftlich wichtigen Freiräume zu
erhalten, setzt sich die Sonntagsallianz für den Schutz der bisherigen Sonn- und
Feiertagsruhe ein und engagiert sich gegen die Ausweitung der Sonntagsarbeit. So
unterstützt die Sonntagsallianz ein allfälliges Referendum gegen die Einführung der
flächendeckenden Sonntagsarbeit in Tankstellenshops, wie sie demnächst im Ständerat
diskutiert wird.

Weitere Informationen:
Vania Alleva, Mitglied der Geschäftsleitung Unia, Vizepräsidentin schweizerischer
Gewerkschaftsbund, Tel. 079 620 11 14

Wolfgang Bürgstein, Generalsekretär Justitia et Pax / Schweizer Bischofskonferenz,
Tel. 031 381 59 57

Mohamed Hamdaoui, Leiter Kommunikation Syndicom, Tel. 079 847 42 08

Erika Hofstetter, Verbandsvorstand schweizerischer katholischer Frauenbund,
Tel. 079 488 56 91

Klaus Stadtmüller, Präsident der schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin,
Tel. 079 237 97 10, 032 653 85 48

Philippe Woodtli, Geschäftsleiter evangelischer Kirchenbund der Schweiz,
Tel. 079 961 95 15

Kurt Regotz, Präsident Syna, 079 617 62 94

Die Sonntagsallianz besteht aus Kirchen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften und der
Fachorganisation der Arbeitsmediziner (Stand 13. Juni 2012).
Christlich-soziale Partei Schweiz,
Evangelische Frauen Schweiz,
Evangelisch-methodistische Kirche,
Evangelische Volkspartei Schweiz,
Gewerkschaft Syna, Gewerkschaft Syndicom,
Gewerkschaft Unia,
Grüne Partei Schweiz,
Schweizerische Bischofskonferenz/Justitia&Pax,
Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin,
Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund,
Schweizerischer Gewerkschaftsbund,
Schweizerischer katholischer Frauenbund,
Schweizerischer Verein Sonntagsfeier,
Sozialdemokratische Partei Schweiz,
Travail.Suisse.
Katholische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbewegung
SIT - Syndicat interprofessionnel de travailleuses et travailleurs (Genf)

Contact

Secrétaire général

wolfgang [dot] buergstein [at] juspax [dot] ch