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Justitia et Pax | Mediencommuniqué | 27.01.2010

Armut und Elend- ein unzulässiger Vergleich

Justitia et Pax zur Diskussion über die Armut in der Schweiz

Dass sich die Armen in der Schweiz angesichts des Elends in der Dritten Welt nicht zu beklagen hätten, hält die Schweizer Nationalkommission Justitia et Pax für eine Haltung, die inakzeptabel ist und diesen Menschen Unrecht tut.
Armut nistet sich auch in den reichen Ländern wie der Schweiz ein, selbst wenn dies kaum sichtbar ist. Gemäss Caritas sind rund 10% der Schweizer Bevölkerung von Armut betroffen. Caritas wie die SKOS (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) rufen daher zum entschlossenen Kampf gegen die Armut auf.
Gegen diesen Warnruf wenden sich nun verschiedene Kreise mit dem Hinweis, dass die Schweiz kaum von Armut betroffen sei, dass die sogenannt Armen in der Schweiz vergleichsweise gut abgesichert seinen und keinen nennenswerten Mangel an lebensnotwendigen Dingen zu beklagen hätten. Als Kronzeuge wird das „wirkliche“ Elend in der dritten Welt angefügt.
Gegen diesen Vergleich erhebt Justitia et Pax, die Fachkommission der Schweizer Bischofskonferenz für sozialethische Fragen, Einspruch. Es ist nicht zulässig, die Nöte der Schweizer Armen damit zu relativieren, dass es noch ärmere Menschen gebe. Natürlich hat die Bekämpfung des Elends in vielen Ländern dieser Welt, verstanden als Verlust jeglicher sozialer, ökonomischer und persönlicher Struktur (fehlende Ernährungssicherheit, keine transparent funktionierende Ökonomie, kein Gesundheitswesen, kein funktionierendes Rechtssystem etc.) Vorrang.
Dies jedoch dispensiert uns nicht davon, die zunehmenden Tendenzen der Verarmung im eigenen Land ernst zu nehmen: mangelnde Chancengleichheit bei Bildung und Einkommen, Arbeitslosigkeit, sozialer Ausschluss, ungenügende soziale Sicherung und geringere Lebenserwartung.
In einem reichen Land durch Armut ausgeschlossen zu sein, bewirkt bei den Betroffenen Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit. Die materielle und seelische Not äussert sich in der Frage: “Warum gerade ich?“. Unverständnis und Verurteilung von Seiten der MitbürgerInnen tragen das Ihre zur misslichen Situation dieser Menschen bei.
Neben der Bekämpfung des Elends in der Welt muss die Bekämpfung der Armut im eigenen Land eine hohe Priorität haben. Justitia et Pax hat sich entschlossen, die Armutsdeklaration der Caritas Schweiz mitzutragen, weil sie den sozialen Zusammenhalt in der Schweiz als ein hohes Gut betrachtet. Sie weiss sich damit auch der Bundesverfassung verpflichtet, in deren Präambel es heisst, „dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.“
Bern, 26. Januar 2010
Kontakt: Wolfgang Bürgstein, Tel. 031 381 59 57, 078 824 44 18;